Maskenschutz

Seit den Lockerungen verändert sich das Stadtbild. Es gibt wieder Menschen auf den Straßen. Die meisten von ihnen tragen aber nun Masken. Und die Maske erscheint mir bei näherer Beobachtung wie ein Symbol für das Zerren und Ziehen zwischen Nähe und Abstand, zwischen Schutz und Luftholen. 

Die meisten Geschäfte darf man ohne Maske nicht betreten. Öffentliche Verkehrsmittel haben eine Maskenpflicht. Gleiches gilt für den Besuch beim Friseur oder im Museum. Masken sind ein neues Accessoire, das einen Teil des Gesichts verdeckt und eine neue Nähe schafft, wie es scheint. Mit Masken wagen sich Menschen wieder zueinander, gewollt oder ungewollt.

Jetzt, wo wieder mehr Menschen aufeinandertreffen, ist es nicht immer möglich den Abstand von 1,50m zu wahren. Engpässe, im wahrsten Sinne des Wortes, müssen bewältigt werden. Die einen warten und lassen den anderen vorbei. Wieder andere wenden sich ab. Nicht selten erlebe ich aber, dass man mir zu nahekommt. Die Maske, so scheint es mir denken viele, schützt auch bei einem Abstand von weniger als 1,50m. Gerade bei Ausgängen sieht man nicht selten, wie Menschen sich die Maske vom Gesicht zerren und nach Luft schnappen. Dabei streifen sie meinen Arm und bemerken es nicht mal.

Wie Masken schützen, verstehe ich bis heute nicht. Wenn die Masken nicht getragen werden, hängen sie entweder leger am Ohr oder quetschen sich unterm Kinn zusammen. Andere wiederum ziehen sie ab und stecken sie in die Tasche. Ich mach das auch so. Die Masken-Hygieneregeln, die ich aber gelesen habe, sehen das alles nicht vor. Bei der Nutzung von Masken in dieser Form ist der Schutz obsolet.

Vielleicht geht es aber darum auch gar nicht so sehr. Vielleicht sind die Masken mehr ein Schutz vor dem Anblick jenen Bereichs, über den die größte Ansteckung erfolgt – dem Mund und der Nase. Vielleicht geht es darum, diese Partien abzudecken, sie unsichtbar zu machen, um uns geschützt zu fühlen.